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Sielenbach bleibt bei ehrenamtlichem Bürgermeister

Knappe Entscheidung nach intensiver und sachlicher Diskussion im Gemeinderat - Mehrheit sieht so größere Chancen, geeignete Kandidaten zu finden

Es war eine schwere Entscheidung, und die Sielenbacher Gemeinderäte haben es sich nicht leicht gemacht. Die Frage, ob man bei einem nebenberuflichen Bürgermeister bleibt oder zum Hauptamt wechselt, wurde schon nichtöffentlich vorberaten, dann hatten die Kommunalpolitiker nochmal vier Wochen Zeit, sich ihre Entscheidung zu überlegen. 

Das merkte man dem ausgesprochen konstruktiven Austausch der Argumente bei der Sitzung am Mittwochabend auch an. Das Ergebnis der Abstimmung ist dennoch etwas kurios. Denn alle Gemeinderäte waren der Meinung, dass die Anforderungen und der Arbeitsaufwand heutzutage eigentlich nur noch von einem hauptamtlichen Bürgermeister zu stemmen seien. Trotzdem stimmte eine knappe Mehrheit mit 7:5 dafür, beim Ehrenamt zu bleiben.

Die Mehrheit ist überzeugt, so eher einen Kandidaten zu finden. Denn ein hauptamtlicher Bürgermeister müsste seinen Beruf aufgeben und trage das Risiko, nach sechs Jahren nicht wieder gewählt zu werden – und unter Umständen vor dem beruflichen Nichts zu stehen. Dieses Risiko könnte mögliche Interessenten abschrecken, befürchteten viele der Gemeinderäte.

Andreas Schneider etwa meint, beim Hauptamt würden mögliche Kandidaten wegfallen, „so dass wir vielleicht gar keinen bekommen“. Jürgen Oswald ergänzte, dass so zum Beispiel Selbstständige als Kandidaten wohl wegfallen würden.

Bezeichnenderweise waren der Zweite und der Dritte Bürgermeister, Franz Moser und Heinz Geiling, die beide den genauesten Einblick in die Arbeit von Bürgermeister Martin Echter haben, eindeutig für das Hauptamt. Moser verwies zum Beispiel auf die Zahl der Angestellten und das mittlerweile auf 6,6 Millionen Euro gestiegene Haushaltsvolumen: „So einen Betrieb kann man nicht nebenher führen. Wir müssen dem neuen Bürgermeister den Einstieg so einfach wie möglich machen.“

Bürgermeister Martin Echter hielt sich, wie angekündigt, aus der Diskussion heraus und stimmte, ebenfalls wie angekündigt, mit der Mehrheit. Auf Nachfrage gab er aber zu, dass er bei seinem Einstieg als ehrenamtlicher Bürgermeister auf seine Erfahrungen als Mitarbeiter im Altomünsterer Bauamt zurückgreifen konnte. Er kannte sich in Bauangelegenheiten gut aus und wusste, wie eine Verwaltung funktioniert. Das habe sehr geholfen. Er bestätigte auch, dass der Arbeitsaufwand in den vergangenen Jahren zugenommen habe.

Höhere Arbeitsbelastung, eine immer kompliziertere und vor allem zunehmend verrechtlichte Kommunalpolitik und nicht zuletzt immer forderndere, ja oft unverschämte Bürger sind der Grund dafür, dass zuletzt viele Gemeinden im Verbreitungsgebiet der Aichacher Zeitung vom ehrenamtlichen zum hauptamtlichen Bürgermeister gewechselt sind.

Eine Mehrheit in Sielenbach setzt dennoch weiter auf einen ehrenamtlichen Bürgermeister. Wobei man durchaus flexibel sein möchte. Man könne in sechs Jahren reagieren und zum Hauptamt wechseln, argumentierte Andreas Schneider. Und sollte sich wider Erwarten kein Kandidat für das Ehrenamt finden, will man den am Mittwoch gefassten Beschluss  nochmal überdenken, womöglich aufheben und doch noch zum Hauptamt wechseln. Spätestens 90 Tage vor der Wahl im März 2020 müsse man sich entschieden haben, erklärte Stephan Kreppold, Geschäftsstellenleiter der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Dasing, zu der Sielenbach gehört. Ein bisschen Zeit haben also sowohl die Gemeinde wie mögliche Kandidaten noch.

Die Abstimmung fiel letztendlich knapper aus, als es Bürgermeister Echter erwartet hatte: Rosi Lutz, Horst Pappenberger, Josef Strasser, Heinz Geiling und Franz Moser stimmten für den hauptamtlichen Bürgermeister, die anderen Gemeinderäte für das Ehrenamt. Keine Rolle spielte in der gesamten Diskussion, dass ein hauptamtlicher Bürgermeister mehr Geld erhält. „Darum geht es nicht“, meinte Jürgen Oswald.

Nachdem die Grundsatzentscheidung gefallen ist, wissen mögliche Kandidaten nun also, auf was sie sich einlassen. Echter geht aber davon aus, dass sich potenzielle Interessenten erst nach den Sommerferien offiziell äußern werden.

Von Dr. Berndt Herrmann, Aichacher Zeitung, 12. Juli 2019

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